Praxis statt Theorie beim Schnuppern

Praxis statt Theorie beim Schnuppern - Berufsorientierung an der OBS 
von Christian Geers im Bersenbrücker Kreisblatt am 27.01.2016
Neuenkirchen. Viel Zeit und Energie verwendet die Oberschule (OBS) Neuenkirchen darauf, ihre Schüler aufs Berufsleben vorzubereiten. Es gibt bewährte Projekte im Unterricht oder Praxistage, an denen Betriebe aus Neuenkirchen, Merzen und Voltlage in die Schule kommen. Dann gibt es für die Auszubildenden in spe jede Menge zu schrauben, zu feilen und zu schneiden.
„Praktische Berufsweltorientierung“ nennt sich das Projekt an diesem Dienstagvormittag. In der Aula und in Klassenräumen präsentieren sich 16 Betriebe (siehe Infobox), 80 Schüler des 8. und 9. Jahrgangs steuern gruppenweise die einzelnen Tische an. Acht bis zehn Stationen müssen sie besuchen. Am Ende wird ihre 10- bis 15-minütige Praxisübung bewertet, auch sie können dann sagen, ob ihnen der Beruf gefällt.
„Eine tolle Sache“ nennt Schulleiter Ernst-August Schulterobben diese Gelegenheit, bei der Schüler in unterschiedliche Berufe hineinschnuppern können. Die Aktion entstand im Netzwerk „Schule-Wirtschaft-Zukunft“ unter Beteiligung mehrere Kooperationspartner. „Wir machen schon viel in Sachen Berufsvorbereitung, dieses Angebot ist sozusagen das i-Tüpfelchen“, sagt der Rektor.
Auch Magdalena Anton czyk von der Servicestelle Schule-Wirtschaft der kommunalen Arbeitsvermittlung Maßarbeit weist auf die vielen Chancen für die Schüler hin. „Hier haben sie Gelegenheit, mit einem späteren Arbeitgeber in Kontakt zu treten.“ Das Angebot ist groß, es reicht von Berufen in Handel und Handwerk bis hin zu Berufen in der Pflege.
„Dieses Angebot steht nicht nur so im Raum, es passt zu unserer Berufsvorbereitung“, stellt Konrektor Adalbert Wegmann bei einem Rundgang zufrieden fest. Die Art und Weise der Präsentation – mehr Praxis als Theorie – kommt an. Die Begeisterung bei den Schülern ist groß, beobachtet er.
Zum Beispiel bei Lukas und Aaron, die an einem Motorblock herumschrauben und ihn teilweise auseinandernehmen. Die Achtklässler haben dafür ein Händchen, wie Denis Brinkmann gleich feststellt. Er muss es wissen, schließlich erlernt er in der Neuenkirchener Kfz-Werkstatt Rüther den Beruf des Kfz-Mechatronikers und ist im zweiten Lehrjahr.
Eine Etage tiefer wirbt Franz-Josef Wilke für den Beruf des Metallbauers. Am Tisch sitzen drei Schülerinnen, die gleich vier Löcher samt Gewinde in eine flache Stahlplatte bohren sollen. Keine leichte Aufgabe, denn der Abstand muss überall gleich sein. Und so geht’s: Erst werden die Punkte gekörnt, dann wird gebohrt, am Ende das Gewinde hineingedreht. „Sehr gut“, lobt der Metallbaumeister. Nebenbei erfahren die Schülerinnen, dass es nicht nur auf die Schulzeugnisse ankommt, sondern auch auf Kopfnoten.
Der Waschtisch, den Julien, Benjamin und Steven montieren sollen, ist wahrlich kein Leichtgewicht. Immerhin zwölf Kilogramm schwer ist das weiße Keramikbecken, das nicht nur montiert, sondern auch angeschlossen werden soll. Lukas Pinke, der im väterlichen Betrieb als Anlagenmechaniker im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbereich arbeitet und inzwischen seinen Meister gemacht hat, begrüßt das Projekt „Berufsweltorientierung“. „Es wird immer schwerer, Auszubildende zu finden“, berichtet er. Früher hätten bis zu 20 Bewerbungen um eine Stelle auf dem Schreibtisch gelegen, „heute sind es vielleicht nur eine oder zwei“.
Das Handwerk hat für den Neuenkirchener immer noch goldenen Boden. „Es bietet viele Möglichkeiten“, sagt er und lässt die drei Jungen nicht aus den Augen. Die stellen ihr Geschick mit der Rohrzange unter Beweis und sind sich auch nicht zu schade, sich der Länge nach auf den Boden zu legen, um an den Abfluss unter dem Waschbecken zu kommen.
Vor einer Herausforderung stehen auch Meryem, Hana und Tristan. Ihnen bringt Gudrun Dückinghaus bei, wie sie mit einer Hand gleich zwei Teller tragen können. „Das ist alles eine Frage der Übung“, macht die Gastronomin den Schülern Mut. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Diese Betriebe machten bei der Erstauflage der „Praktischen Berufsweltorientierung“ an der Oberschule mit: Samtgemeinde Neuenkirchen, Landwirt Grüne baum, Otte-Architektur, Hülsmann-Reisen, Tischlerei Böwer, Tichlerei Wilke, Kfz-Betrieb Rüther, Fleischerei Bergmann, Markant-Markt Schulte, Bauschlosserei Wilke, VR-Bank im Altkreis Bersenbrück, Seniorenpflegeheim St.-Elisabeth-Stift, Mertens Haustechnik, Georg Pinke GmbH, Gasthof Dückinghaus, Malerbetrieb Bill.

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